Brummer im Raum

Ich sitze vor dem Bildschirm und lese. Plötzlich im Hintergrund erreicht meine Ohren ein tiefes brummen. Eine lästige Fliege. Eingedrungen durch das offene Fenster. Einzustufen in die Kategorie lauter Brummer, das sind die schlimmsten. Ganz aufgeregt, umherfliegend erkundet sie den Raum. Das Geräusch im Anflug dringt tief in die Ebenen meiner Membranen, wobei es Ängste im Kopfkino auslöst. Skurril; womöglich landet Sie noch auf meinem Bein. Schreckliche Furcht; begleitet vom fortwährenden Summen. Irgendwo entfernt, hinter mir, dann wieder ganz nah, und immer noch nicht von mir identifiziert. Ich drehe mich nicht um, fokussiere mein Blick auf den Screen. Die Unkenntnis darüber, wo Sie sich gerade befindet, lässt mir keine Ruhe, macht mich irre. Sie hat es geschafft, es beschäftigt mich. Im Kopf spiele ich Szenarien durch. Stille. Ist sie weg oder irgendwo gelandet? Vielleicht auf der Decke, neben der Lampe. Beobachtet Sie mich etwa spöttisch? Nichts geschieht. In der Not öffne ich das Fenster bis zum Anschlag. Sperrweit offen, das Tor zur Freiheit, ergreife sie Fliege, flieg hindurch! Eine Weile nun ist es ungewöhnlich ruhig im Zimmer. Zufrieden beglückwünsche ich mich selber zur zündenden Idee, dann gratuliere ich dem Eindringling. Bedenkt man der Lebenszeit einer Eintagsfliege, so war Sie nicht dumm, immerhin hätte das Zimmer ihre Todesstätte sein können, dünkt es mich, jedoch wählte Sie den bestmöglichen Weg ins Freie. Aber denkste! Das Brummen ist wieder da. Mit meiner Konzentration ist es auch vorbei. Ich wende mich vom Bildschirm ab, schon genervt scanne ich die Decke ab, durchkämme die Wände nach ihr, suche und suche, ohne sichtbaren Erfolg. Die Lust der Jagd hat mich verlassen, ich wähle das Bett. Zum Teufel mit ihr! Ergreife die Kopfhörer und höre Musik. Mag sein der Eindringling befindet sich noch immer im Raum, doch wenigstens bin ich ihr nicht hilflos ausgeliefert, den ihre Geräusche sind bedeutungslos geworden, wie der innere Drang ihrem wilden Treiben auf ewig ein Ende zu bereiten. Im Bett fasst mich der Gedanke, dass ich mich ihrem Willen unterworfen habe. Wäre sie gar nicht erst eingedrungen, höchstwahrscheinlich säße ich weiterhin an meiner Arbeit. Ach, welch Los eine Fliege dem Menschen zubereiten kann.

Warsaw Ghetto Uprising

„Hate is easy. Love demands an effort“

Marek Edelman, last surviving leader of the Uprising

Vor 76 Jahren begann der Aufstand im Warschauer Ghetto. Und, so schrieb später Marek Edelmann, einer der ganz wenigen Überlebenden: »Der erste Tag des Aufstandes gilt als der erste vollkommene Sieg über die Deutschen.« Erst Ende 1942 war es gelungen, mehrere jüdische Untergrundorganisationen zu vereinen und eine Kommission zur Koordinierung des Widerstands zu bilden. »Es ging nur darum, die Art des Sterbens zu wählen«, sagte Edelmann kurz vor seinem Tod 2009. »Es ging darum, sich nicht abschlachten zu lassen. (…) Es ist eine große Sache, wenn man ohne Kraft und Hoffnung kämpft.« Ganzer Artikel zum nachlesen.

Absurditäten in der Außenpolitik

Interessenspolitik

Parteien: Polen, Estland, Russland, Deutschland.

Grund des Konflikts: Annexion der Krim. 

Was ist geschehen: Einem russischen Segelschulschiff (SEDOV) wurde die Einfahrt in estnische und polnische Hoheitsgewässer untersagt – weil einige der Kadetten an Bord von der annektierten Halbinsel Krim stammen. Hintergrund der Entscheidung sei, dass Estland die illegale Annexion der Krim durch Russland nicht anerkenne, ebenso wie die Republik Polen.

Und wer nahm die SEDOV an? Deutschland. Genauer die Hafenstadt Warnemünde. 

W A R

Bosnia – Kriegsverbrechen gegen frauen

Folgende Schilderung einer fünfunddreißigjährigen Muslimin aus Ilijaš veröffentlichte die kroatische Zeitung „Novi Vjesnik„:

>>Die Serben brachten mir den Hass bei. Seit zwei Monaten gibt es nichts  mehr in mir, weder Schmerz noch Bitterkeit, nur Hass. Du fragst, was sie mit mir angestellt haben? Sie haben vor meinen Augen meine Mutter vergewaltigt, meine gute wunderschöne Greisin. Wo immer ich gehe, spüre ich den Duft meiner Mutter, höre ihre leisen Schritte, die rascheln wegen der Pluderhosen. Oh, ich Arme! Als er sich auf sie warf, fiel ich in Ohnmacht. Durch Schläge kam ich wieder zu Bewusstsein. Ihre Hand war schon ohne Leben, aber noch warm. Hitze und Reue brennen noch immer in mir. Gerade an diesem Vormittag hatten wir uns gestritten. Dann wurde ich von meiner toten Mutter weggerissen und an den Haaren hinausgeschleppt. Ich zeigte ihnen, dass ich im achten Monat schwanger war. Sie spuckten mich an, schlugen mich und zwangen mich, Striptease zu machen. Einer von ihnen schlug im Takt auf meinen Bauch. Nein, ich weiss nicht, ob mein Bauch damals platzte – der meinem Sohn das Leben schenkte. Ich gab ihm den Namen Dschihad (Heiliger Krieg der Mohammedaner), damit er das nie vergisst. <<

Lapidarium #4

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Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopien.

Arno Gruen (Dem Leben entfremdet)

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“Death blowing bubbles,” 18th century. The bubbles symbolize life’s fragility. This plaster work appears on the ceiling of Holy Grave Chapel in Michaelsberg Abbey, Bamberg, Germany.
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evil hate: Right-Wing Terror

Memo an mich

Christchurch

Ich sah es. Das selbst gedrehte Video des Terroristen. Es war verstörend widerlich. Entscheidet selber, jedoch ist zu empfehlen sich vorher mit dem Bösen an sich auseinanderzusetzen. Ich meine gründlich. Die Art wie das Böse von der Welt denkt. Zeitlos und widersprüchlich. Wie verdammt präsent es ist, neben einem steht. Ein reales Phänomen, dessen Macht wir tagtäglich spüren.

By Piotr Jabłoński
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