Um 17:25 Uhr ging Anders Behring Breivik zurück über den Zeltplatz, wo Gunnar Linaker bewusstlos am Boden lag.

Bis jetzt hatte Breivik drei Menschen am Anleger getötet, drei am Haupteingang, einen auf dem Zeltplatz und zwei auf dem Weg dorthin. Nun bog er um die Ecke des langen Holzgebäudes, in dem sich die Cafeteria und der große Saal befanden, und ging die Außenwand entlang.

Er war unsicher, ob er hineingehen sollte. Das Betreten eines Gebäudes war stets mit einem Risiko verbunden. Jemand konnte hinter der Tür stehen und aus dem Hinterhalt angreifen, ihn in eine Falle locken und überwältigen. Bei World of Warcraft sanken die Überlebenschancen, sobald man sich in die Festung des Feindes begab.

>>Was ist los?<<, rief ihm ein AUF-Mitglied vom Fenster aus zu. Weitere Köpfe erschienen. Die Jugendlichen hatten den uniformierten Mann bisher noch nicht gesehen.

>>Jemand schießt, also haltet euch fern von den Fenstern!<<, sagte er ihnen. >>Legt euch auf den Boden, ich komme und helfe euch!<<

Breivik betrat das Gebäude. An den Wänden hingen Poster mit AUF-Parolen aus den vergangenen Jahren. Im Flur standen Hunderte Paar Schuhe und Stiefel, da in den Sälen keine Straßenschuhe erlaubt waren.

Ruhig ging er in den ersten Saal, auch bekannt als kleiner Saal. Er blieb einen Moment in der Tür stehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Jugendlichen schauten ihn erwartungsvoll an. Er näherte sich einer Gruppe von ihnen und begann zu schießen. Gleich mehrere fielen zu Boden. Ha, die tun nur so, ging es ihm durch den Kopf. Ruhig nahm er sich einen nach dem anderen vor und beendete das Leben jedes Einzelnen mit einem Kopfschuss.

Ein paar Jugendliche standen wie angewurzelt da und schrien. Sie hatten den Blick fest auf ihn gerichtet, außerstande, davonzulaufen, zu flüchten, sich in Sicherheit zu bringen. Wie seltsam, dass sie einfach nur dastehen, dachte Breivik. Das habe ich im Film noch nie gesehen. Dann richtete er die Pistole auf sie.

Åsne Guldahl SeierstadEiner von unsDie Geschichte eines Massenmörders

Phantom

15.06.2019 Ankunft. Wind aus West; West-Südwestwind erhöht die Chancen auf Aal. Ein Mix aus Sonne, Wolken und Schauer. Schwach regulierende, schwüle Atmosphäre. Luftdruck 1014 hPA. Die Mondphase zunehmend; Vollmond am Montag, den 17.06. Uhrencheck: kurz nach 19 Uhr. Wir sind am See. Auspacken, aufsetzten und Abmarsch. Vom Parkplatz bis zur Angelstelle sind es ca. 700 Meter. Eine Strecke, die von uns ehrfürchtig – ‚der lange Marsch‘ genannt wird.

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alibi

by Ned Richardson-Little

One of the enduring myths of the Nazi era is that average Germans didn’t know what was happening to persecuted groups including the Jews. Everyone knew about the round ups and the deportations – they were impossible to miss in daily life.

However, for many Germans, the concentration camps were not seen as part of a program of political and racial terror, but a sensible policy, which sought to deal with the problems of uncontrolled immigration of Jews from the East and with the socially and politically deviant.

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Lapidarium #6

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Beide Behälter sind mit Wasser aus der gleichen Quelle gefüllt. Im rechten Behälter befinden sich Austern. Eine Auster, kann ca. 3 Liter Wasser innerhalb 1 Stunde filtern! Dabei ernährt Sie sich von dem darin enthaltenen Plankton. Austern haben eine Lebensdauer von 20-30 Jahre.

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Der Boy mit der Pike Rute

Der Boy mit der Pike Rute kümmerte sich um das Organisatorische. Das übliche; Köder, Proviant, Equipment. Aufgaben eines Drahtziehers. Später am Abend kam ich endlich dazu, schmiss meine Sachen hinten rein und es konnte losgehen, die Fahrt ins friesische Hinterland, Richtung Accum. Der dortige Baggersee ist öfters Ziel unserer Leidenschaft. Bereits letzte Woche zuvor waren wir dort, erlebten ausnahmsweise einen regelrechten Bissmarathon, wie sonst soll man es nennen. Wir schworen wiederzukommen, den was passierte an jenem Samstag, glich einem Sturm voller Bisse. Alle fünf Minuten ging der Bissanzeiger los, mal schlug dieser beherzt an, mal sanft, mal abrupt. Manch Fisch zog so kräftig an der Schnur, dass die Freilaufrolle zu surren begann, Meter um Meter Schnur verschwand im trüben Gewässer, wir sahen es mit eigenen Augen, bekamen Adrenalinschübe, und natürlich war unsere Reaktion nicht die allerbeste, nicht so souverän wie die der Profis. Der Anhieb kam beherzt, wir waren überzeugt davon einen Treffer gelandet zu haben, sahen innerlich im Geiste, wir der Hacken sich ins Fischmaul hineinschob. Das Kurbeln an der Rolle war wie von Sinnen, die Hand tat bald weh, jedoch dank Schock verspürte man null Schmerz, erst später wurden diese einem bewusst. Fix war die Schnur auf die Spule gewickelt, dann traten Blei und Vorfach an die Oberfläche, gebannt Blicke ins Wasser, da wurde es aber mysteriös, der Köder folgte, und das war’s auch. Die Illusion vom Fang platzte, kein Fisch. Und ständig egal bei welchem Biss, bei welcher Rute, einfach egal, am Ende gab’s immer das gleiche Ergebnis. Die Rotwürmer wiesen bei näherer Betrachtung keinerlei Spuren eines Angriffs auf, waren immer noch aktiv, vital, rotierten verführerisch am Hacken, tanzten aufgespießt ihren letzten Tango. Wir zählten (aufgerundet) 15 Bisse am besagten Samstag, zeitlich verteilt auf drei Stunden, keinem gelang es, einen Fisch zu überlisten.

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