Der Boy mit der Pike Rute

Der Boy mit der Pike Rute kümmerte sich um das Organisatorische. Das übliche; Köder, Proviant, Equipment. Aufgaben eines Drahtziehers. Später am Abend kam ich endlich dazu, schmiss meine Sachen hinten rein und es konnte losgehen, die Fahrt ins friesische Hinterland, Richtung Accum. Der dortige Baggersee ist öfters Ziel unserer Leidenschaft. Bereits letzte Woche zuvor waren wir dort, erlebten ausnahmsweise einen regelrechten Bissmarathon, wie sonst soll man es nennen. Wir schworen wiederzukommen, den was passierte an jenem Samstag, glich einem Sturm voller Bisse. Alle fünf Minuten ging der Bissanzeiger los, mal schlug dieser beherzt an, mal sanft, mal abrupt. Manch Fisch zog so kräftig an der Schnur, dass die Freilaufrolle zu surren begann, Meter um Meter Schnur verschwand im trüben Gewässer, wir sahen es mit eigenen Augen, bekamen Adrenalinschübe, und natürlich war unsere Reaktion nicht die allerbeste, nicht so souverän wie die der Profis. Der Anhieb kam beherzt, wir waren überzeugt davon einen Treffer gelandet zu haben, sahen innerlich im Geiste, wir der Hacken sich ins Fischmaul hineinschob. Das Kurbeln an der Rolle war wie von Sinnen, die Hand tat bald weh, jedoch dank Schock verspürte man null Schmerz, erst später wurden diese einem bewusst. Fix war die Schnur auf die Spule gewickelt, dann traten Blei und Vorfach an die Oberfläche, gebannt Blicke ins Wasser, da wurde es aber mysteriös, der Köder folgte, und das war’s auch. Die Illusion vom Fang platzte, kein Fisch. Und ständig egal bei welchem Biss, bei welcher Rute, einfach egal, am Ende gab’s immer das gleiche Ergebnis. Die Rotwürmer wiesen bei näherer Betrachtung keinerlei Spuren eines Angriffs auf, waren immer noch aktiv, vital, rotierten verführerisch am Hacken, tanzten aufgespießt ihren letzten Tango. Wir zählten (aufgerundet) 15 Bisse am besagten Samstag, zeitlich verteilt auf drei Stunden, keinem gelang es, einen Fisch zu überlisten.

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dreamdesign

Mein Bruder träumte davon, er wäre zum Papst gewählt worden. Er berichtete mir, was passiert war. Es muss ihn wohl sehr aufgewühlt haben, hinterließ Spuren der Erinnerung, denn auch Stunden danach, und oft vergisst man vieles, konnte er sich an Details vom Traum erinnern, so berichtete er mir sichtlich aufgeregt darüber.

Arek befand sich plötzlich in einem großen schicken Saal, um ihn herum standen andere Personen, er wusste nicht mehr wie viele, es waren wohl Diener des Pontifex, sie zupften an der weißen Soutane, halfen ihm hineinzuschlüpfen, richteten, fummelten, kontrollierten mit strengem Auge jedem Millimeter. Über die Soutane legten sie ihm einen Gürtel um – das Zingulum, ein anderer brachte die Ringe. Man setzte ihm die Pileolus auf, – das weiße Scheitelkäppchen. Die Kette mit dem schweren Papstkreuz aus Gold wurde ihm um den Hals gelegt. Es gab auch schicke Zepter für ihn – die Perula, ein Kreuzstab. Ganze drei drückten sie ihm in die Hände, ganze drei!? Massiv und auch aus purem Gold. Arek stand bloß still herum, perplex beobachtete das Treiben abwechselnd aus der ich- und der 3. Person Perspektive. Er konnte das, was gerade geschah nicht begreifen, ihn den Antichristen schlechthin, weshalb wählte man gerade ihn zum neuen Papst, den nicht praktizierenden Katholiken mit einem Sack voller Sünden?

Dennoch bot der Traum auch Platz für bisschen Drama, ein paar Schrecksekunden, den eines der drei Herrscher-Zepter war nicht mehr aufzufinden. Alle suchten eifrig danach, rannten wild umher und durchsuchten den ganzen Saal. Die Uhr tickte erbarmungslos, draußen wartete schon ungeduldig die Menge, ihre Schreie und Gebete waren deutlich im Saal zu vernehmen, ein Teil der Menschen begann zu singen. Die Welt wollte ihn sehen und es kam nicht infrage vor die Meute mit nur zwei Zeptern aufzutreten. Schließlich nach einer Weile fand sich das fehlende Kreuzstab, Arek selbst fand diesen wieder, alle atmeten erleichtert auf, nun konnte es mit der Zeremonie weitergehen, allerdings war Arek da schon wieder wach, überglücklich dem Trubel entkommen zu sein.

Ich gratulierte ihm zum spannenden Erlebnis, wir tranken schwarzen Kaffee. Trotzdem; ich wurde das Gefühl nicht los, dass er insgeheim gerne weiter geträumt hätte, gerne vor Millionen Menschen getreten wäre, als frisch gewählter Papst. Szczęść Boże!

Brummer im Raum

Ich sitze vor dem Bildschirm und lese. Plötzlich im Hintergrund erreicht meine Ohren ein tiefes brummen. Eine lästige Fliege. Eingedrungen durch das offene Fenster. Einzustufen in die Kategorie lauter Brummer, das sind die schlimmsten. Ganz aufgeregt, umherfliegend erkundet sie den Raum. Das Geräusch im Anflug dringt tief in die Ebenen meiner Membranen, wobei es Ängste im Kopfkino auslöst. Skurril; womöglich landet Sie noch auf meinem Bein. Schreckliche Furcht; begleitet vom fortwährenden Summen. Irgendwo entfernt, hinter mir, dann wieder ganz nah, und immer noch nicht von mir identifiziert. Ich drehe mich nicht um, fokussiere mein Blick auf den Screen. Die Unkenntnis darüber, wo Sie sich gerade befindet, lässt mir keine Ruhe, macht mich irre. Sie hat es geschafft, es beschäftigt mich. Im Kopf spiele ich Szenarien durch. Stille. Ist sie weg oder irgendwo gelandet? Vielleicht auf der Decke, neben der Lampe. Beobachtet Sie mich etwa spöttisch? Nichts geschieht. In der Not öffne ich das Fenster bis zum Anschlag. Sperrweit offen, das Tor zur Freiheit, ergreife sie Fliege, flieg hindurch! Eine Weile nun ist es ungewöhnlich ruhig im Zimmer. Zufrieden beglückwünsche ich mich selber zur zündenden Idee, dann gratuliere ich dem Eindringling. Bedenkt man der Lebenszeit einer Eintagsfliege, so war Sie nicht dumm, immerhin hätte das Zimmer ihre Todesstätte sein können, dünkt es mich, jedoch wählte Sie den bestmöglichen Weg ins Freie. Aber denkste! Das Brummen ist wieder da. Mit meiner Konzentration ist es auch vorbei. Ich wende mich vom Bildschirm ab, schon genervt scanne ich die Decke ab, durchkämme die Wände nach ihr, suche und suche, ohne sichtbaren Erfolg. Die Lust der Jagd hat mich verlassen, ich wähle das Bett. Zum Teufel mit ihr! Ergreife die Kopfhörer und höre Musik. Mag sein der Eindringling befindet sich noch immer im Raum, doch wenigstens bin ich ihr nicht hilflos ausgeliefert, den ihre Geräusche sind bedeutungslos geworden, wie der innere Drang ihrem wilden Treiben auf ewig ein Ende zu bereiten. Im Bett fasst mich der Gedanke, dass ich mich ihrem Willen unterworfen habe. Wäre sie gar nicht erst eingedrungen, höchstwahrscheinlich säße ich weiterhin an meiner Arbeit. Ach, welch Los eine Fliege dem Menschen zubereiten kann.

Elimelech von Leżajsk

Eines Tages sprach Rabbi Elimelech von Leżajsk folgende Sätze:

Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass mir ein fester Platz zusteht auf der Welt, die noch kommt. Wenn ich dann vor dem jüngsten Gericht stehe und sie mich fragen: – Hast du gelernt, wie es von dir verlangt wurde?

Antworte ich – nein.

Dann werden Sie mich fragen:

Hast du gebetet, wie es von dir verlangt wurde?

Und ich antworte noch einmal – nein.

Dann fragen Sie mich zum dritten Mal:

Hast du, wie es sein sollte, Gutes vollbracht?

Und ich werde zum dritten Mal verneinen – nein.

Dann, werden Sie das Urteil verkünden:

Du sprichst die Wahrheit. Aus diesem Grund, steht dir ein Platz auf der Welt, die noch kommt, zu…