Um 17:25 Uhr ging Anders Behring Breivik zurück über den Zeltplatz, wo Gunnar Linaker bewusstlos am Boden lag.

Bis jetzt hatte Breivik drei Menschen am Anleger getötet, drei am Haupteingang, einen auf dem Zeltplatz und zwei auf dem Weg dorthin. Nun bog er um die Ecke des langen Holzgebäudes, in dem sich die Cafeteria und der große Saal befanden, und ging die Außenwand entlang.

Er war unsicher, ob er hineingehen sollte. Das Betreten eines Gebäudes war stets mit einem Risiko verbunden. Jemand konnte hinter der Tür stehen und aus dem Hinterhalt angreifen, ihn in eine Falle locken und überwältigen. Bei World of Warcraft sanken die Überlebenschancen, sobald man sich in die Festung des Feindes begab.

>>Was ist los?<<, rief ihm ein AUF-Mitglied vom Fenster aus zu. Weitere Köpfe erschienen. Die Jugendlichen hatten den uniformierten Mann bisher noch nicht gesehen.

>>Jemand schießt, also haltet euch fern von den Fenstern!<<, sagte er ihnen. >>Legt euch auf den Boden, ich komme und helfe euch!<<

Breivik betrat das Gebäude. An den Wänden hingen Poster mit AUF-Parolen aus den vergangenen Jahren. Im Flur standen Hunderte Paar Schuhe und Stiefel, da in den Sälen keine Straßenschuhe erlaubt waren.

Ruhig ging er in den ersten Saal, auch bekannt als kleiner Saal. Er blieb einen Moment in der Tür stehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Jugendlichen schauten ihn erwartungsvoll an. Er näherte sich einer Gruppe von ihnen und begann zu schießen. Gleich mehrere fielen zu Boden. Ha, die tun nur so, ging es ihm durch den Kopf. Ruhig nahm er sich einen nach dem anderen vor und beendete das Leben jedes Einzelnen mit einem Kopfschuss.

Ein paar Jugendliche standen wie angewurzelt da und schrien. Sie hatten den Blick fest auf ihn gerichtet, außerstande, davonzulaufen, zu flüchten, sich in Sicherheit zu bringen. Wie seltsam, dass sie einfach nur dastehen, dachte Breivik. Das habe ich im Film noch nie gesehen. Dann richtete er die Pistole auf sie.

Åsne Guldahl SeierstadEiner von unsDie Geschichte eines Massenmörders

alibi

by Ned Richardson-Little

One of the enduring myths of the Nazi era is that average Germans didn’t know what was happening to persecuted groups including the Jews. Everyone knew about the round ups and the deportations – they were impossible to miss in daily life.

However, for many Germans, the concentration camps were not seen as part of a program of political and racial terror, but a sensible policy, which sought to deal with the problems of uncontrolled immigration of Jews from the East and with the socially and politically deviant.

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W A R

Bosnia – Kriegsverbrechen gegen frauen

Folgende Schilderung einer fünfunddreißigjährigen Muslimin aus Ilijaš veröffentlichte die kroatische Zeitung „Novi Vjesnik„:

>>Die Serben brachten mir den Hass bei. Seit zwei Monaten gibt es nichts  mehr in mir, weder Schmerz noch Bitterkeit, nur Hass. Du fragst, was sie mit mir angestellt haben? Sie haben vor meinen Augen meine Mutter vergewaltigt, meine gute wunderschöne Greisin. Wo immer ich gehe, spüre ich den Duft meiner Mutter, höre ihre leisen Schritte, die rascheln wegen der Pluderhosen. Oh, ich Arme! Als er sich auf sie warf, fiel ich in Ohnmacht. Durch Schläge kam ich wieder zu Bewusstsein. Ihre Hand war schon ohne Leben, aber noch warm. Hitze und Reue brennen noch immer in mir. Gerade an diesem Vormittag hatten wir uns gestritten. Dann wurde ich von meiner toten Mutter weggerissen und an den Haaren hinausgeschleppt. Ich zeigte ihnen, dass ich im achten Monat schwanger war. Sie spuckten mich an, schlugen mich und zwangen mich, Striptease zu machen. Einer von ihnen schlug im Takt auf meinen Bauch. Nein, ich weiss nicht, ob mein Bauch damals platzte – der meinem Sohn das Leben schenkte. Ich gab ihm den Namen Dschihad (Heiliger Krieg der Mohammedaner), damit er das nie vergisst. <<

W A R

Über den Krieg forschen.

Es schlägt sich gelegentlich der Vergleich eines Windes, einer kräftigen Brise, die über einen faulen See hinweggeht, das Wasser wieder auffrischt, neues Leben weckt, stellt man die Frage nach dem Sinn eines Krieges. 

Max Beckmann, Sea with a Large Cloud,1943

Wie romantisch. Der Grund des Sees muss aufgerieben werden: Krieg; alle Fragen der Existenz und des Glücks werden neu gestellt. Zerstören, um Neues zu erschaffen. Kriegerische Auseinandersetzungen in dem Moment, in dem Sie wüten, kreieren die Hölle auf Erden. Auf lange Sicht haben Kriege die Welt sicherer und reicher gemacht, meint der der Historiker Ian Morris, in seinem Buch: Krieg – wozu er gut ist.

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