Korczak

„Die Welt reformieren heißt, die Erziehung reformieren.“

Der Bahnhofskommandant habe dem berühmten Pädagogen die Rettung angeboten. Korczak’s Antwort: „Sie irren sich, nicht jeder ist ein Schuft.“ Dann bestiegen Sie den Zug nach Treblinka, direkt in den Tod.

Räumung

Warschauer Umschlagplatz während des Holocaust.

Der 5. August 1942 war ein »heiterer Sommertag«, schreiben später die Chronisten Warschaus. An diesem Tag zieht Janusz Korczak, mit dem Personal und mit 200 seiner Kinder unter der Fahne des Waisenhauses zum Umschlagplatz, wo der Zug schon wartet.

200 Kinder standen zu Tode erschrocken da. Dann geschah etwas Außergewöhnliches: Diese 200 Kinder schrien nicht, weinten nicht, keines von ihnen lief davon, keines verbarg sich. Sie schmiegten sich nur an ihren Lehrer und Erzieher, an Janusz Korczak, damit er sie behüte und beschütze. Er stand in der ersten Reihe. Er deckte die Kinder mit seinem ausgemergelten Körper. Die Hitlerbestien nahmen keine Rücksicht. Die Pistole in der einen, die Peitsche in der anderen Hand, brüllten sie: „Marsch ! „.

1940 wird das „Dom Sierot“ („Das Waisenheim“) in das Warschauer Ghetto verlegt. Zwei Jahre später beginnt die planmäßige Räumung des Ghettos, tausende Juden werden in die Vernichtungslager abtransportiert.

Von hier aus wurden 265. 000 Juden in die Gaskammern Treblinkas gebracht und dort ermordet. Der größte Massenmord einer einzelnen Gemeinde im II. Weltkrieg.

Ich liebe die Weichsel bei Warschau, und ich habe brennendes Heimweh nach Warschau, wenn ich fern von ihm bin«

Janusz Korczak im Mai 1942

In Würde

Ein langer Zug ausgemergelter, hungriger und kranker Kinder vom Kinderheim in der ‚Ulica Sienna‘ quer durch das Warschauer Ghetto in Richtung der Verladerampen der NS-Schergen setzte sich in Bewegung. An ihrer Spitze ging, zwei Kinder an der Hand, ein hagerer, alter Mann mit einem ergrauten Bart. Die Kinder waren von allen Seiten von deutschen, ukrainischen und jüdischen Polizisten umgeben. Die Steine weinten, als sie diese Prozession sahen, doch die faschistischen Mörder trieben die Kinder mit Peitschen weiter und schossen immer wieder.

Denkmal an der Ulica Sliska Nr. 9, einst stand an dieser Stalle das Waisenhaus.

Der Bahnhofskommandant habe dem berühmten Pädagogen die Rettung angeboten. Korczak’s Antwort: „Sie irren sich, nicht jeder ist ein Schuft.“ Dann bestiegen Sie den Zug nach Treblinka, ein Zug in den Tod. Korczak und die Kinder werden in den Gaskammern des Vernichtungslagers ermordet.

Janusz Korczak & Stefania Wilczyńska

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Gegen das Vergessen ein Lied

Leute, höret die Geschichte, 
die in Warschau ist geschen. 
Janusz Korczak mit den Kindern 
mußte nach Treblinka gehn. 

Mit den kleinen Waisenkindern, 
die sich feierlich geschmückt, 
und sie trugen eine Fahne, 
Stern und Blume eingestickt. 

In Treblinka standen Öfen, 
fragt die Alten wie das war. 
Und die Kinder gingen singend, 
wußten nichts von der Gefahr. 

Alle Juden solln verrecken! 
Mordbefehl, den Hitler gab, 
weil sie Judenkinder waren 
mußten sie ins Massengrab. 

Als vors Lagertor sie kamen, 
ließ man alle Kinder ein. 
Korczak nahm man an die Seite, 
bot ihm Rettung, ihm allein. 

Doch er blieb bei seinen Kindern 
in der großen Todesnot, 
nahm das kleinste in die Arme, 
ging mit allen in den Tod. 

Leute, alt ist die Geschichte, 
könnte  heute sie entstehn? 
Daß die Kinder und der Korczak 
singend durch die Straßen gehn? 

*